Freie Literaturgesellschaft Leipzig e.V.

[ URL: http://www.literatur-leipzig.de/calimero/../index.php?class=Calimero_Article&id=13656 ] [ Datum: 25.02.2018 ]

Die letzte Mohritat

Der Schriftsteller Steffen Mohr ist 75jährig verstorben

Den SachsenSonntags-Lesern ist es liebgewordene Gewohnheit: Allwöchentlich bittet Gustav Merks zur Mithilfe bei großen und mindergroßen Kriminalfällen. Ausgedacht hat sich diese Schurkenrätsel Steffen Mohr, doch war er da längst Leipzig und den Krimifans zu Institution geworden. Als Kabarettist zog er durchs Land. Als Theaterregisseur inszenierte er mit studentischem Nachwuchs. Als Moderator präsentierte er Mohr und Köpfe. Als Bänkellied-Sänger stand er mit seinen Mohritaten deutschlandweit auf den Bühnen. Bleibende Verdienste erwarb sich Steffen Mohr als Vorstandschef des Förderkreises Freie Literaturgesellschaft, dem Verein, der im neuen Deutschland hiesigen Autoren Heimat ward und alljährlich zum Sächsischen Literaturfrühling lud. Am 17. Januar ist Steffen Mohr seiner Krankheit erlegen. Er hinterlässt Leerstellen, die im Kulturbetrieb der Stadt nicht leicht zu schließen sein werden.

Im Kriegssommer 1942 erblickte Steffen in Leipzig das Licht der Welt. In seiner Heimatstadt studierte er Theologie und Theaterwissenschaft. Nachts sind alle Enten grau – unter dem Pseudonym Hans Eger veröffentlichte er 1966 mit Nr. 68 in der legendären Blaulicht-Reihe seine erste Kriminalerzählung, „weil mir sonst als Student das Honorar vom Stipendium abgezogen worden wäre“. Die Liebe zum Genre war entdeckt und blieb es Steffens Leben lang. Der Serienkommissar Gustav Merks ermittelte erstmals 1979 im Nachtexpress an der Ostseeküste führte ein Verhör ohne Auftrag. Der Held – eine Mischung aus Sherlock Holmes und Oberleutnant Fuchs vom Polizeiruf 110. Auf Pressefotos und Plakaten ließ sich der Autor gern als eben jener mit karierter Mütze und Jackett ablichten. Gut vierzig Jahre setzte Merks seine Ermittlungen in Zeitung und in Sammelbänden fort. Literaturgeschichtliches Novum waren Blumen von der Himmelswiese 1983, denn es war der erste Kriminalroman der DDR, der auf VP und andere Ermittler verzichten konnte und damit einen Trend setzte. Psychothriller nennen das Verlage gegenwärtig.

Der literarischen Szene war Steffen Mohr Anker. Der Förderkreis Freie Literaturgesellschaft sah und sieht seine Aufgabe darin, das künstlerische Wort der Gesellschaft nahe zu bringen, auf dass es Diskussionen auslösen würde. Das gelingt nicht immer, und manch Medium, das Steffen in seinem Bemühen auf eine Negativ-Hitliste setzte. Das trug er mit Würde und Augenzwinkern. Angesichts derzeitiger Presseschlagzeilen ist es eine Ehre, denn Aufmerksamkeit zu erhalten ist einfach, im öffentlichen Gespräch zu bleiben, ist eine Sache, die so einfach nicht zu machen ist. Der Sächsische Literaturfrühling findet auch dieses Jahr statt. Das Herz des Festivals schlägt nicht mehr, es wird aber dabei sein: Versprochen. Steffen Mohr bot der Stadt Diskussionsstoff, zu hoffen, dass er das länger noch bleibt.