Freie Literaturgesellschaft Leipzig e.V.

[ URL: http://www.literatur-leipzig.de/calimero/../index.php?class=Calimero_Article&id=13633 ] [ Datum: 20.08.2017 ]

Abschlussbericht für den 25. Sächsischen Literaturfrühling vom 18.3. bis 29.5. 2016



In einer sächsischen Kulturlandschaft, die von lodernder Leidenschaft für Festumzüge, Lichterspiele und Clownsattraktionen geprägt ist und das Fernsehen den Bürger verblödet, riskierten die Mitglieder und Gastautoren der Freien Literaturgesellschaft Leipzig, eV, drei sinnstiftende Lesemonate. In 19 Veranstaltungen traten 25 Schriftstellerinnen und Schrft-steller, 3 Musiker und 3 Gelehrte unter dem Motto „Kampf gegen Windmühlen“ an. Anlass war der 400. Todestag von Miguel Cervantes Saavedra, dem Urvater europäischer Prosa, jenem Literaturgenre also, dem die meisten unserer Autoren, neben Lyrikern, Lie- dermachern und Dramatikern, verpflichtet sind. Das Motto verband ästhetische Tradition mit zeitnahem Polis-Denken und wurde sowohl von einem älteren Publikum, als auch von Jugendlichen – von der Studentin bis zum Kind – diskussionsfreudig angenommen. Die Gesamtbesucherzahl betrug 980 Hörer in Leipzig, Hohenstein-Ernstthal, Werdau, Frohburg, Bad Lausick, Dresden, Markkleeberg und Podelwitz und dortselbst in Bibliotheken, Freizeitclubs, Kirchgemeinden, der Universität Leipzig, einer Klinik, einem Einkaufcenter und auf dem Friedhof.

Nach (wiederholtem) Nullzuschuss durch den mühsam zu avancierenden Hauptsponsor, der so genannten Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und den Krankenhausaufenthalten des Projektleiters drohte kurz vor Beginn beinahe die Absage des Events. Kaum eine gesellschaftliche Institution des Sachsenlandes scheint sich für ernsthaft verfasste Literatur und die älteren regionalen Autoren zu interessieren. Löbliche Ausnahme waren das Kulturamt Leipzig, die Landeszentrale für politische Bildung, die Sparkasse Leipzig und das unserer Literatur seit Jahrzehnten eng verbundene Einkaufcenter Moritz-Hof Leipzig. Ideell bereicherte die weltläufige Zusammenarbeit mit den Romanisten der Leipziger Uni das Unterfangen. Das beflügelte die Aktivität der schreibenden Parias ebenso, wie ein hohes ehrenamtliches Engagement in den eigenen Reihen. Dabei taten sich besonders der 2. Projektleiter Domenico Müllensiefen, die Projektassistentin Katja Mohr, unsere Schatzmeisterin Ute Hoffmann, Grit Kurth und U.S. Levin hervor. Mit Trauer erfüllte alle der Tod von Dieter Mucke, der mitten in den mit ihm geplanten Frühling fiel. Wir gedenken seiner in Dankbarkeit. Kontraproduktiv war der hohe Eigenstolz manches Mitglieds. Insgesamt können wir auf einen publikumswirksamen, von mäßigem Medieninteresse begleiteten, jedoch gelungenen 25. Literaturfrühling zurückblicken.


Aus Sicht des Projektleiters sollte es 2017 keinen Sächsischen Literaturfrühling geben. Alle Mitglieder sind deshalb angefragt, welche anderen Möglichkeiten sie sehen, das Schaffen Leipziger Schriftsteller öffentlich zu repräsentieren. Der Einzelne wird in seiner einsamen Schreibstube weiterhin an seiner Botschaft feilen. Die Freie Literaturgesellschaft will und wird ihm dabei Partner sein.


Leipzig, 8. September 2016


Steffen Mohr, Vorsitzender und Projektleiter