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[ URL: http://www.literatur-leipzig.de/calimero/../index.php?class=Calimero_Article&id=13367 ] [ Datum: 27.08.2016 ]

Neuerscheinung: Sie waren Blut- und auch Gesangsbrüder

Quelle „Sächsischer Bote “ Dresden

Sie waren Blut- und auch Gesangsbrüder
Neuerscheinung: Wie Winnetou nach Dresden kam und wo Karl May sein Amerika entdeckte

Karl May in Dresden Ein biederer deutscher Gesangsverein probt. Wir sind weit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert. Und plötzlich steht ein stolzer
Indianer namens Winnetou in der Tür. Das kann man nachlesen in „Satan und Ischariot“ von Karl May, Band II, auch erschienen unter dem Reihentitel „Krüger Bei“. Der Häuptling der Apatschen ist zivil gekleidet, sein schulterlanges schwarzes Haar verbirgt er unter einem Zylinder.

Im Kapitel „Winnetou in Dresden “ (Band 21 der Gesammelten Werk, Seite 191) erfahren wir auch, dass er gern Bier trank, das aber sehr mäßig. Wenn Karl May seinen indianischen Helden also ganz einfach mal nach Sachsen holte, dann verwundert es nicht, dass er sich andererseits für die Niederschrift seiner Amerika-Abenteuer von Erlebnissen vor der eigenen Haustür inspirieren ließ.

Dieser Fährte folgte der Autor Christian Heermann an Ort und Stelle in und um Dresden/Radebeul sowie in den einschlägigen Publikationen. Dafür gibt es zum Beispiel Karl May-Jahrbücher und zahllose Veröffentlichungen, die das Leben und Werk des Schriftstellers teils sehr akribisch durchleuchten. Heermann selbst hatte bereits vor einiger Zeit das Seine dazu beigetragen. Mit "Winnetous Blutsbruder“ verfasste er eine der gut lesbaren Biografien Karl Mays.

Christian Heermann weiß also, worüber und über wen er schreibt. Man folgt ihm gern in den Annahmen, dass sich Karl May von der felsigen Sächsischen Schweiz zu seinen beeindruckenden Landschaftsschilderungen ebenso anregen ließ, wie von den Moritzburger Seen oder kleine Bächen im Lößnitzgrund, die in des Schriftstellers Fantasie zu gewaltigen Flüssen wurden. Auf denen dann die Steamer mit den großen Schaufelrädern verkehrten, die doch irgendwie den Elbedampfern ähnelten.

Die bei zahllosen Spaziergängen und Ausflügen gewonnenen Ideen wurden dann wohl mit Hilfe von Nachschlagewerken und Landkarten derart präzisiert, dass sie der Wirkklichkeit erstaunlich nahe kamen.

Christian Heermann lässt aber auch sehr reale Zeitgenossen Karl Mays zu Wort kommen wie etwa Friedrich Eduard Bilz, Sascha Schneider und Bertha von Suttner. Der kleine Sachse hatten einen so großen wie illustren Freundeskreis. Manch einer seiner Bekannten fand sich dann irgendwie in den grünen Bänden wieder, also in Amerika, im Orient oder im Fantasialand des Alterswerkes. Warum auch nicht?

Wenn es Winnetou bis nach
Dresden geschafft hat … hgp

Christian Heermann „Winnetou
in Dresden
“, KarlMay Verlag
Bamberg • Radebeul, broschürt,
140 Seiten, reich illustriert.